Prolog

Wenn man immer unterwegs ist, kommt man dann irgendwann an? Radreisen und Zeltcamping ist eine in überschaubarer Zeit freiwillige (und keine prekäre) gewählte Form der „Obdachlosigkeit“, was bedeutet, außerhalb eines Hotels oder Herberge zu übernachten. Im Regelfall steuern wir Campingplätze an. Ganz selten wild am Waldrand oder am Fluß. In der Vergangenheit gehörte auch mal eine Parkbank und eine Morgendusche im Stadtpark dazu. Tagsüber sind wir unterwegs, mit dem ganzes Hab und Gut, in Tüten und Packtaschen. Und irgendwann – es lässt sich nicht verhindern, fangen die Sachen am Körper an zu müfelln, trotz regelmäßger Waschtage. Auf dem Fahrrad sind die Reiseumstände anders als für Wohnmobilreisende. Und in Italien waren sie nochmal ganz anders, wie wir es bisher von allen anderen Radreisen gewohnt waren. Wir verbrachten in der Summe täglich eine, aber oft zwei Stunden im Wordwideweb, um einen Campingplatz zu lokalisieren, der für unsere gewählten Distanzen zwischen 70 und 95 km erreichbar war – und uns dann nicht abwies. Das Problem ist weniger die Hochsaison, sondern die Auflösung von Zeltwiesen zugunsten von Caravans und Wohnmobilen. Die wiederum die Möglichkeit haben, auf den großzügigen ausgewiesenen Wohnmobilstellplätzen weitere Zelte hinzu aufzubauen. Nur wie durften nicht drauf. 

Der sehr gut ausgebaute Fernradweg vom Brenner abwärts bis Parma führte an malerischen Flusskulissen und Kanäle entlang und war meistens beidseitig von Zäunen oder einem Bahndamm eingefasst. Was aber auch verhinderte, das man links und rechts vom Weg ein geschütztes Plätzchen für die Nacht ausfindig machen konnte. So geleitet hatten wir es auch noch nicht erlebt. Vielleicht war es der anstrengenden Hitze (und unserer altersbedingten Bequemlichkeit) geschuldet, das wir nicht das Abenteuer jenseits des Weges suchten. Wer denkt, weil Italien viel Küste hat, überall ins Wasser zum Baden zu kommen, irrt. Der Himmel gehört zwar allen, der Strand aber nur sehr sehr wenigen. Den kommunalen Zugang zum begrenzten öffentlichen Strand musste man zwischen vertrockenten Hecken und Häuserzeilen ausfindig machen. Im Gegensatz zu den veritablen sonnenbeschirmten Strandprommenaden der Hotelanreiner. Wenn diese Strandabschnitte am frühen Morgen menschenleer waren, wurden wir von den Mitarbeitern vertrieben, wenn wir uns zum Frühstück dort niederlassen wollten. 

Fazit mit Schlüsselpunkten

Und was ich noch auffällig fand, war, dass in Italien niemand wirklich Interesse an einem begegnetem Gespräch mit uns Bikepacker hatte. Selbst in der italienischen Camping-Community blieb man verschlossen unter sich – Kommunikativ war niemand. Obwohl wir in dem rennradverrückten Land eine Ausnahmeerscheinung auf unseren sportlichen Reiseräder waren. Ach Italien!


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